Der Club der guten Mieter

Ein Manifest

Der städtische Mietmarkt ist dysfunktional. Wer in Hamburg, München, Berlin, Frankfurt eine Wohnung sucht, weiß das. Wer eine vermietet, weiß es auch.

Auf eine freie Altbauwohnung in Eppendorf, in Schwabing, in Prenzlauer Berg kommen heute zwei-, drei-, fünfhundert Bewerbungen. Der Vermieter kann nur einen wählen. Der Mieter kann nur hoffen, gewählt zu werden. Beide stehen vor einer Entscheidung, die existenziell ist — für den Mieter, weil eine Wohnung ein Lebensraum ist; für den Vermieter, weil er sein Eigentum, oft seine Altersvorsorge, in fremde Hände gibt.

Und beide haben kein gutes Werkzeug für diese Entscheidung.

Also hat sich eine Sitte eingeschlichen. Schon der unverbindlichen Anfrage nach einem Besichtigungstermin werden Gehaltsabrechnungen, Kontoauszüge, Selbstauskünfte beigelegt — sehr persönliche Daten, ausgehändigt an Fremde, lange bevor man sich je gegenübergestanden hat. Für den Bewerber ist das nicht nur unwürdig, sondern sinnlos: Wer dreihundert Mappen verschickt, um am Ende eine Wohnung zu finden, verliert Zeit, Daten und ein Stück Selbstbestimmung. Für den Vermieter ist es kein Gewinn. Er ertrinkt in Dokumenten, die ihm Fremde ungefragt in die Hand drücken — und die ihm doch nicht sagen, wer da eigentlich einziehen möchte.

Denn diese Dokumente reduzieren einen Menschen auf wenige Datenpunkte. Sie sagen nichts darüber, wer er als Mieter ist, wie er gewohnt hat, wie er wohnen wird. Hunderte Bewerber sehen für den Vermieter gleich aus; das Gute lässt sich vom weniger Guten nicht unterscheiden. Die Ökonomen kennen dieses Muster: Ein Markt, auf dem sich Qualität nicht zeigen kann, erodiert von selbst. Die verlässlichen Mieter verschwinden in der Masse, und übrig bleibt das Misstrauen.

Der Vermieter trifft seine Entscheidung mit hohen Konsequenzen auf dünner Basis. Er ahnt, dass der Vertrag, den er heute unterschreibt, ihn über Jahre bindet, und dass das Mietrecht ihm wenig Spielraum lässt, falls er sich täuscht. Manche ziehen sich deshalb zurück: lassen Wohnungen leer stehen, investieren nicht mehr, statt das Risiko einer falschen Wahl einzugehen.

Das Ergebnis ist ein Markt, in dem alle verlieren. Mieter werden zu Bittstellern. Vermieter ziehen sich zurück. Das Verhältnis zwischen beiden wird zur Konfrontation, bevor es begonnen hat.

Sumia tritt zwischen diese beiden Seiten — nicht als Vermittler, nicht als Schiedsrichter, nicht als Anwalt einer Seite gegen die andere. Sumia vermittelt keine Wohnungen und schlägt Vermietern niemanden vor. Sumia ist eine dritte Schicht, die das Spiel selbst verändert: von anonymer Konfrontation zu wiedererkennbarer, selbstbestimmter Begegnung.

Sumia ist eine Gemeinschaft von Mietern, die etwas anderes wollen als Konfrontation. Mieter, die zuverlässig sind, ihre Miete pünktlich zahlen, das Eigentum, in dem sie wohnen, achten und pflegen. Mieter, die im Konfliktfall zuerst das Gespräch suchen, nicht die Eskalation. Mieter, die wissen, dass eine Wohnung nicht nur ein Anspruch ist, sondern etwas Anvertrautes, das man bewohnt, pflegt und erhält.

Solche Mieter gibt es in großer Zahl. Sie sind wahrscheinlich die Mehrheit. Aber im heutigen Markt sind sie unsichtbar — ihre Qualität ist nicht belegbar, also verschwindet sie in der Masse.

Sumia macht sie sichtbar.

Aber sichtbar heißt bei Sumia nicht durchleuchtet. Der alte Markt macht sichtbar, indem er entblößt — je mehr Papiere, desto besser der Bewerber. Sumia kehrt das um. Ein Mitglied zeigt einmal, sorgfältig und allein gegenüber Sumia, wer es ist. Was es danach seinen Bewerbungen beilegt, ist keine Akte, sondern eine Visitenkarte: ein geprüftes, geschütztes Profil, das ihm gehört und mit ihm wächst — seine belegte Wohn-Reputation, ein bisschen wie LinkedIn, nur fürs Wohnen.

Der Vermieter, der dieses Profil sieht, erhält keine Zahlen und keine Punktwertung. Er erhält eine Bestätigung. Dass die Identität geprüft ist. Dass frühere Vermieter — vom Mitglied erbeten, mit ihrer Einwilligung — für ihn einstehen. Dass die angestrebte Miete komfortabel zu tragen ist. Bestätigt, nicht bewertet. Die Autorität liegt nicht im offengelegten Datenpunkt, sondern darin, dass Sumia geprüft und für gut befunden hat. Der Vermieter darf vertrauen, gerade weil er nicht alles sehen muss.

Und das Mitglied behält die Kontrolle. Es entscheidet, wer hinter die Visitenkarte blickt, für wie lange — und kann diesen Zugang jederzeit zurücknehmen. Sichtbar werden, ohne sich zu entblößen: Das ist die Würde, die dieser Markt verloren hat.

So entsteht etwas, das es für Mieter bisher nicht gab. Eine portable, beglaubigte Wohn-Identität, die über Jahre reift — ein Vermögenswert, den man von Wohnung zu Wohnung mitnimmt. Nicht behauptet von einer Plattform, sondern getragen von einer Gemeinschaft, die für ihre Standards bekannt ist.

Denn Sumia nimmt nicht jeden auf. Jede Anfrage führt zu einem persönlichen Gespräch — über die Beweggründe, Mitglied zu werden, und über die Standards, zu denen man sich bekennt. Der Club ist vor allem eine Selbstverpflichtung. Nichts daran ist Verzicht. Es ist eine Haltung: Verlässlichkeit als Form von Souveränität.

Zu dieser Haltung gehört der Umgang mit dem Konflikt. Sumia-Mitglieder verpflichten sich, im Streitfall zuerst den Weg der Mediation zu gehen, statt sofort zu eskalieren — ein Angebot, das sie ihren Vermietern von sich aus machen, mit Mediatoren, für deren Qualität Sumia einsteht. Nicht der Anwalt, der eskaliert, sondern der Mediator, der eine Lösung sucht. In den meisten Fällen ist die sachliche Verständigung besser als das Verfahren. Sumia macht diesen Weg selbstverständlich.

Sumia entsteht jetzt, in Hamburg. Wir suchen die ersten hundert Mitglieder — einen Founders Circle, der den Club mitprägt: seine Standards, sein Profil, seinen Ton. Founders behalten ihren Status auf Dauer. Es geht dabei weniger um einen Preis als um eine Gründung — wer jetzt dabei ist, entscheidet mit, was dieser Club wird. Gebaut für die kommenden Jahrzehnte, nicht für das nächste Quartal.

Wenn dies das Mieten ist, das Sie sich vorstellen — mit Würde, mit Selbstbestimmung, mit einer Wiedererkennbarkeit, die Ihnen gehört — dann ist Sumia für Sie.